Die Inhaltsstoffe
Die Inhaltsstoffe der Teeblätter sind nicht sehr viel anders als bei vielen
anderen Pflanzen. Aber neben den üblichen Bestandteilen wie Protein (Eiweiß),
Kohlenhydrat und Fett enthalten die Teeblätter einige Inhaltsstoffe, die dem
Tee seine Einzigartigkeit verleihen.
Wichtige Inhaltsstoffe der Teeblätter und ihre Anteile an der Trockenmasse
Koffein
An erster Stelle ist natürlich das Koffein (siehe Abbildung) zu nennen, dessen anregende
Wirkung auf das
Strukturformel Koffein
Zentralnervensystem den Hauptgrund für
den Konsum von Tee und Kaffee darstellt. Häufig wird das Koffein aus Tee auch als
Teein (auch Tein oder Thein) bezeichnet, um es vom Koffein aus den Kaffeebohnen
abzugrenzen. Chemisch gesehen sind Koffein und Teein natürlich identisch. Koffein
gehört zu den Methylxanthinen, ist leicht wasserlöslich, farb- und geruchlos. Der
handelsübliche Grüntee und Schwarztee enthält mehr Koffein als der Röstkaffee -
3 - 5% der Trockenmasse des Tees und 1 - 1.5% der Kaffeebohnen. Dennoch beinhaltet
eine Tasse Kaffee 4- bis 8-fach mehr Koffein als eine Tasse Grüntee. Der Grund liegt
einfach darin, dass für eine Tasse Kaffee viel mehr Kaffeepulver verwendet wird
als Teeblätter für eine Tasse Tee. Würde man den Tee genau so stark (bezüglich Koffein-Gehalts)
machen wie den Kaffee, würden die in Teeblättern enthaltenen
Flavonoide
(auch als Polypheonle oder Gerbstoffe bekannt) den Tee ungenießbar
bitter machen.
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Normaler Kaffee
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80 - 120 mg / 150 ml
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Espresso
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100 - 200 mg / 150 ml
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Grüntee
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15 - 25 mg / 150 ml
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Schwarztee
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40 - 70 mg / 150 ml
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Oolong
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15 - 30 mg / 150 ml
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Cola
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80 - 120 mg / 150 ml
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Koffein-Gehalt in verschiedenen Getränken
Die Pharmakologie des Koffeins

Nach einer oralen Zufuhr (Tee, Kaffee, Cola, Energie-Drinks) wird Koffein recht
rasch und vollständig im Magen-Darm-Trakt aufgenommen. Nach 15 - 45 min erreicht
der Koffein-Spiegel im Blut das Maximum. Die Halbwertszeit im Blut beträgt etwa
5 Stunden, ist aber bei Schwangeren und Kindern deutlich länger.
Die stimulierende Wirkung des Koffeins geht hauptsächlich auf seine Interaktion
mit den Oberflächen-Rezeptoren der Nervenzellen im Großhirn zurück. 100 - 200 mg
Koffein (2 - 4 Tassen Tee) führen zu einer deutlichen Beeinflussung psychischer
Grundfunktionen wie Antrieb und Stimmung. Die Motorik ist gesteigert (z. B. schnelleres
Schreibmaschinenschreiben mit geringerer Fehlerquote), das psychische Tempo beschleunigt,
die Reaktionszeit verkürzt, die Stimmungslage angehoben, der Lernprozess erleichtert.
Allerdings sind die Wirkungen abhängig von der Gewöhnung. Sie treten bei starken
Tee- oder Kaffee-Trinkern wesentlich schwächer auf als bei Gelegenheitstrinkern.
Die leistungssteigernden Wirkungen des Koffeins führen, wie bei vielen anderen Substanzen,
oft zu Missbrauch, zum Beispiel bei Sportlern, weshalb Koffein auf der Dopingmittel-Liste
steht.
Eine weitere Wirkung des Koffeins, die auch therapeutisch ausgenutzt wird, ist die
Schmerzlinderung. Koffein ist zum Beispiel einer der drei Wirkstoffe in der Schmerztablette
Thomapyrin (die beiden anderen sind Aspirin und Paracetamol). Zu hohe Koffein-Zufuhr
führt wiederum zu Kopfschmerzen.
Die gängige Meinung, dass Koffein diuretisch, also Harn treibend, wirkt, ist mittlerweile
widerlegt worden. Der Tee- oder Kaffeekonsum führt nicht zu mehr Harndrang als das
Trinken einer gleichen Menge Wasser.
Nebenwirkungen und Toxizität des Koffeins sind sehr gering. Die für Mensch tödliche
Dosis liegt bei über 200 mg / Kilogramm Körpergewicht.
Flavonoide
Die Flavonoide machen etwa 20 - 30% der Trockenmasse der Teeblätter aus. Hauptvertreter
dieser Gruppe sind
Catechine
die etwa 70% des Flavonoide-Anteils ausmachen. Die meisten gesundheitsfördernden
Wirkungen des Tees lassen sich auf diese Catechine zurückführen. Irrtümlicherweise
werden Flavonoide in Tee oft auch als Tannine bezeichnet. Tannine sind jedoch toxische,
hochmolekulare Verbindungen, die hauptsächlich in Baumrinde vorkommen und die Bäume
gegen Angriffe von Pflanzenfressern schützen.
Bei der Herstellung vom Schwarztee werden die Catechine oxidiert (Fermentation).
Dabei entstehen zuerst
Theaflavine
(gelb), die dann durch Polymerisation die für den Schwarztee typischen roten Farbstoffe
Thearubigine bilden. Dadurch gehen der Großteil der anti-oxidativen Wirkung der
Flavonoide verloren. Geschmacklich gehören die Flavonoide zu den Bitter-Machern
des Tees. Darüber hinaus hat die Zusammensetzung der Flavonoide einen wichtigen
Einfluss auf die Farbe des Tee-Aufgusses.
Die Pharmakologie der Catechine

Die Aufnahme der Catechine im Darm ist mit 10-30% recht gering. Die Darmflora scheint
bei der Resorption der Catechine eine wichtige Rolle zu spielen. Die Bakterien im
Darm können die Catechine so verstoffwechseln, dass sie besser resorbiert werden.
Interessant ist auch die Beobachtung, dass der Darm Mechanismen besitzt, um Catechine
bei einer oralen Zufuhr im Darm anzureichern.
Unter den Catechinen überwiegt das EGCG (Eipgallocatechin-Gallat) nicht nur mengenmäßig
(bis zu 70% des gesamten Catechin-Gehalts), EGCG scheint auch die Substanz zu sein,
die die Krebs vorbeugenden Eigenschaften des Tees ausmacht. Im Labor wurde für EGCG
eine breite Wirkungspalette auf die Tumorzellen nachgewiesen (mehr dazu in "
Tee
und Gesundheit
").
Den Catechinen werden noch eine Reihe weiterer Wirkungen zugeschrieben, wie z.B.
Senkung des Cholesterin-Spiegels, Senkung des Blutzuckers, antibakterielle Wirkung,
usw (mehr dazu in "
Tee
und Gesundheit
").
Auf dem Markt der Naturpräparate gibt es
Kapseln,
die
Grüntee-Extrakte enthalten. Die Inhaltsstoffe dieser Kapseln
sind nicht sehr viel anders als in einem Teeaufguss, nur in einer sehr konzentrierten
Form: Der Catechin-Gehalt in einer Kapsel entspricht meistens 2 - 3 Tassen Grüntee.
Vorsicht aber: Zwar sind Catechine die Hauptträger der gesundheitsfördernden
Wirkungen des Grüntees, in hohen Konzentrationen sind sie aber auch giftig. In Spanien
und Frankreich gab es schon Berichte über vereinzelte Vergiftungsfälle mit den Grüntee-Extrakt-Kapseln.
Bei der Einnahme dieser Kapseln ist deshalb Vorsicht geboten.
Aminosäuren
Eine weitere Gruppe der wichtigen Inhaltsstoffe umfasst die Aminosäuren (siehe Abbildung).
Strukturformel Theanin
Sie machen etwa 1 - 4% der Trockenmasse
der Teeblätter aus und sind für den frischen und angenehmen Geschmack des Tees von
entscheidender Bedeutung. Das Gros des Aminosäuren-Anteils der Teeblätter (mehr
als 50% bei hochqualitativen Grüntees) entfällt auf eine besondere Aminosäure, das
L-Theanin, einen Abkömmling des Glutamins. Theanin kommt ausschließlich in der Teepflanze
vor und wirkt dem Koffein im Tee entgegen: Im Gegensatz zu Koffein beruhigt
Theanin das Zentralnervensystem. Außerdem schmeckt Theanin, zusammen mit den anderen
Aminosäuren, süßlich und schwächt den bitteren Geschmack der Catechinen ab. Aufgrund
ihres positiven Einflusses auf den Geschmack werden seitens der Teehersteller viele
Anstrengungen unternommen, um den Gehalt der Aminosäuren im Tee, vor allem in den
Grüntees, zu steigern.
Die pharmakologische Wirkung des Theanins ist noch sehr wenig untersucht. Die meisten
Fachpublikationen über Theanin beruhen auf Tierexperimente. Danach kann Theanin:
- die Aktivität einiger Antitumor-Medikamente verstärken
-
die Freisetzung der Hormone Serotonin und Dopamin erhöhen, was die Lernfähigkeit
verstärkt, die seelische Entspannung erhöht und emotionalen Stress löst.
Vitamine
Strukturformel Ascorbinsäure
Die Teeblätter enthalten eine Reihe von Vitaminen, allerdings ist die Menge von
den meisten Vitaminen so niedrig, dass man eine Unmenge von Tee trinken müsste,
um den täglichen Bedarf zu decken.
Die Ausnahme bildet das Vitamin C (Ascorbinsäure). In hochqualitativen Grüntees
kann das Vitamin C-Gehalt bis zu 0.5% der Trockenmasse erreichen. Ein Liter Grüntee
deckt somit mehr als 50% des Tagesbedarfs an Vitamin C. Bedingt durch sein Herstellungsverfahren
enthält der Schwarztee weit weniger Vitamin C als der Grüntee, auch das Gehalt der
sonstigen Vitamine ist im Schwarztee niedriger als im Grüntee.
Mineralien
Von praktischer Bedeutung ist vor allem das im Tee enthaltene Fluor. Das Gehalt
an wasserlöslichem Fluor in Teeblättern ist hoch signifikant. Mit einer Tasse Tee
deckt man 10 - 15% des Tagesbedarf an Fluor, um sich gegen Karies zu schützen.